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DI Regina Lettner DI Regina Lettner KommR Maria Epple KommR Maria Epple Ing. Nadja Wasserlof Ing. Nadja Wasserlof Ing. Silvia Meierhofer Ing. Silvia Meierhofer DI Neli Rachkova-Anastassova DI Neli Rachkova-Anastassova

Anders bauen mit Frauen


Dezember 2007

Eine Reise durch gängige Klischees und festgeschriebene Tatsachen.

Halbe-halbe hin oder her. Es sind doch die Frauen, die viel Zeit im eigenen Heim verbringen, Heizung und Hausgeräte bändigen, die Kinder versorgen oder hier arbeiten.
Frauen beherrschen die Kunst des Wohnens – und immer mehr auch die Kunst des Bauens.
Lange Zeit galt das Bauwesen als eine der letzten Männerdomänen.
Erst 1919 hat als erste Architektin Margarethe Schütte-Lihotsky ihr Studium abgeschlossen. Bekannt geworden ist die Grande Dame der Architektur – so ganz frauentypisch – mit ihrer „Frankfurter Küche“, die vor allem berufstätigen Frauen die Hausarbeit erleichtern sollte.
Zwar hat sich in den letzten hundert Jahren vieles verändert, doch nur wenige Frauen haben den Weg in das Bau-Metier gefunden.
Die Architektin DI Regina Lettner ist überzeugt, dass jeder Mensch plant, was ihm persönlich wichtig erscheint: „Unsere Städte und unsere Wohnungen sind das Ergebnis männlicher Planung. Männer lieben nun mal Autos, und das ist an unseren Straßen und Siedlungen eindeutig abzulesen.“
Und so präsentiert sich manche Stadt mit hoch aufragenden Wohnburgen, eingegrenzt von mehrspurigen schwarzen Asphaltbändern, spärlich umgeben von wenigen Quadratmetern Wiese und ein paar hungrig nach Erde und Freiheit suchenden Bäumen.
„Mehr Frauen am Bau und unsere Städte würden anders aussehen.“
In Österreich gibt es keine einzige selbstständig arbeitende Verkehrsplanerin. 247 Architektinnen stehen 2 104 männlichen Kollegen gegenüber. Im Baumeistergewerbe finden sich nicht mal fünf Prozent Frauen. Und wer kennt schon eine Installateurinoder eine Elektrikerin? Bau-Fachfrauen sind demnach schwer zu finden.
Um die vorhandene weibliche Kompetenz mehr ins Blickfeld zu rücken, wurde vor zwei Jahren der Verein „frauen bauen“ gegründet.
Regina Lettner ist Obfrau des Netzwerks: „Wir wollen Konsumentinnen und Expertinnen vernetzen. Auf unserer Plattform finden Auftraggeber und Auftraggeberinnen kompetente Expertinnen aus dem Baugewerbe.“ Das stärkt nicht nur die wirtschaftliche Situation der Bau-Fachfrauen sondern bringt auch mehr weibliche Kompetenz auf die Baustellen.

Bauen Frauen anders?
Genderexperten behaupten, dass Mann und Frau mit den gleichen Anlagen geboren werden. Allerdings beeinflussen Sozialisation und gelebter Alltag die Entwicklung der mitgebrachten Talente. Regina Lettner: „Eine Architektin hört im Gespräch mit ihren Auftraggebern auf die feinen Zwischentöne, ist sensibler für die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner als männliche Kollegen und kann leichter darauf eingehen.“
Natürlich wirkt sich das auf das Ergebnis aus, egal ob es um ein Wohnhaus geht oder um die Planung eines öffentlichen Gebäudes.
„In Planungsgruppen, in denen der Chef ein Mann ist, muss man Selbstverständliches, wie ausreichend Toiletten oder ordentliche Wickelräume in Ämtern und Einkaufszentren, hart erkämpfen. Manche Planer geben dem Drang nach, sich in einem Bauwerk zu verewigen – das führt dann zu besonders hohen Bauten, als Symbol der Macht. Frauen haben weniger das Bedürfnis, hoch zu bauen.“

Den Auftrag erteilt der Mann
„Der klassische Bauherr ist noch immer der Mann im Ruderleiberl, mit dem Bier in der Hand, der seine Mauern selbst aufstellt“, so Regina Lettner. Wird ein Architekt oder Professionist beauftragt, dann bedient sich der „klassische Bauherr“ eines Geschlechtsgenossen. Die Partnerin kennt sich aus mit Baumaterialien, Energiesystemen, ansprechendem Innendesign und entscheidet mit, was angeschafft wird, aber selten tritt eine Frau in die Rolle der Auftraggeberin.
Bei öffentlichen Bauten wird meist eine Frauenquote vorgeschrieben. Die Stadt Wien zum Beispiel verlangt bei Wettbewerben, dass 25 Prozent der Einreichungen von Frauen kommen. Da ist die Plattform „frauen bauen“ sehr hilfreich. Aus dem Pool von Fachfrauen können schnell passende Teams zusammengestellt werden.

Wohnsinnig bauen
Bei der Planung von Großwohnbauten gelten meist strikte Vorgaben, wie z. B. vier Zimmer auf 80 Quadratmetern. Da bleibt wenig Spielraum für kreative Raumgestaltung.
„Im großvolumigen Wohnbau haben Bauträger und Investoren das Sagen. Ob sich die Bewohner darin wohl fühlen, spielt nur eine untergeordnete Rolle“, bedauert Regina Lettner. „Der soziale Wohnbau hat sich nicht verbessert. Der vor 77 Jahren errichtete Karl Marx-Hof in Wien ist noch bei weitem menschen- und kommunikationsfreundlicher als diese Riesenburgen, die heute hingestellt werden. Alles so kompakt, so dicht, ohne Freiflächen. Aber irgendjemand wird dann schon einziehen.“

Gutes Wohnen will gelernt sein – gutes Bauen ebenso
Ein qualitativer und philosophischer Wandel tut Not.
„Würden die Kinder in ihrer Schulzeit schon architektonische Bildung erhalten“, ist Regina Lettner überzeugt, „dann könnten sie ein Gefühl dafür entwickeln, was Raum bedeutet, wüssten, welche Auswirkungen es hat, dreißig Jahre in einem Gebäude zu leben. Das kann uns krank machen und das kann uns gesund machen. Wenn wir bewusst auf unser Lebensumfeld achten, wird sich die Nachfrage verändern und damit auch das Angebot an lebensnahen Wohnungen.“
Lebensnahe Wohnbauten – darunter versteht die Architektin keine zugepflasterten Komplexe, mit Zellen nach dem traditionellen Vater- Mutter-Kind-Kind-Schema: „Ideal wäre niedriger Mehrfamilienhausbau, mit maximal drei Geschoßen und ausreichend Grünraum. ‚Design for all‘, das heißt, dass das Bauwerk für unterschiedliche Funktionen und für alle Generationen geeignet ist. Flexibel angelegte Grundrisse können eventuell mit Schiebeelementen gestaltet werden. Damit kann ich für jeden Lebensabschnitt das richtige Wohnumfeld schaffen.“
Ob Planerin oder Bewohnerin – Frauen legen Wert auf großzügige, abwechslungsreich gestaltete Grünflächen, wo es sich gut zusammensitzen und reden lässt. Ebenso wichtig ist eine gute Verkehrsanbindung. Schon bei der Planung gilt es zu beachten, ob öffentliche Verkehrsmittel und Radwege in erreichbarer Nähe sind.
„Schauen Sie einfach drauf, dass es sich schön wohnen lässt“, rät Regina Lettner und „bauen Sie mit Frauen!“
Ziel ist natürlich nicht eine Geschlechtertrennung am Bau, sondern die Männerdomäne eine gemeinsame werden zu lassen. Frau und Mann gemeinsam werden die besten Lösungen finden. Geplant mit Leib und Seele, mit Leben und Liebe gefüllt – in solchen Wohnungen fühlen sich Frauen wie Männer wohl.

Annemarie Herzog

lebensART Dezember 2007, http://www.lebensart.at/

Arch. DI Regina M. Lettner
Selbstständige Architektin im Konsortium „Baukult“,
Ausstellungsstr. 31/21, 1020 Wien,
01/924 78 67, http://www.baukult.at/
Regina Lettner ist Obfrau von „frauen bauen“.
Ihre Schwerpunkte sind Architektur, Raumplanung und Städtebau.
„Die männerlastige Baubranche ist sehr hart. Diesen ständigen Machtkampf gilt es auszuhalten.“

KommR Maria Epple
Baumeisterin,
Augasse 3, 7344 Stoob,
0 26 12/42 42 30, http://www.wukobau.at/
Maria Epple ist Landesinnungsmeisterin im Burgenland, und damit europaweit die einzige Frau an der Spitze einer Standesvertretung in der Baubranche.
„Es ist schon vorgekommen, dass mich Architekten bei Preisverhandlungen fragten, wann denn der Herr Baumeister komme.“

Ing. Nadja Wasserlof
Planende Baumeisterin,
Thomas Tamussino Straße 16/2/11, 2340 Mödling,
0 650/710 51 88, http://www.wasserlof.at/
Nadja Wasserlof ist eine der wenigen Baumeisterinnen, die nicht durch familiäre Konstellationen, wie z. B. bestehende Baufirma, zum Beruf gefunden haben.
„Ich fühle mich in diesem Beruf sehr wohl und wünschte, es würden mehr junge Mädchen diesen Weg gehen.“

Ing. Silvia Meierhofer
GF Meierhofer Elektrotechnik,
Engerthstr. 215/13, 1020 Wien,
0 664/283 36 89
Hat nach fünf Jahren Medizinstudium wieder in ihren Ursprungsberuf zurückgefunden. Ihr Schwerpunkt: feldarme Elektroinstallation.
„Ein Hausmeister hat auf der Baustelle meine Kollegin nach dem Chef gefragt. Auf ihre Antwort, sie hätte eine Chefin, behauptete er: eine Firma ohne Chef gibt’s net“.

DI Neli Rachkova-Anastassova
Ziviltechnikerin, Ingenieurkonsulentin für Bauwesen,
Grinzingerstr. 70/7, 1190 Wien,
01/378 08 08, http://www.rachkova.com/
Technik hat Neli Rachkova immer schon fasziniert, besonders das Bauen, weil das Ergebnis greifbar und dauerhaft ist.
„Technische Kompetenz und Fachwissen können auch ein weibliches Gesicht haben.“

lebensART: download

bau frau des monats
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Marlene Goller - Juni 2009
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